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Paulie

Paulie hatte eine Zeitlang versucht, sich mit rechtschaffener Arbeit als Handlanger und Lehrling bei den diversesten Arbeitgebern über Wasser zu halten. In dieser Zeit führten seine Kollgenen den damals noch recht jungen Paulie in die Gepflogenheiten der verschiedensten Tavernen und der Möglichkeiten ein, sich dort das eine oder andere Kupfer zu verdienen. Relativ bald begriff er, dass sich mit Wetten, Spielen und der Anwesenheit Betrunkener wesentlich mehr verdienen ließ, als das mit normaler Arbeit der Fall gewesen wäre.

In den folgenden Jahren zog Paulie mehr oder weniger antriebslos durch die Lande von einer Taverne zur nächsten, immer auf der Suche nach Kurzweil egal welcher Art. Aus heutiger Sicht würde er diese Zeit als seine Lehrzeit betrachten, da bei ihm während den diversen Kneipenschlägereien, Gelegenheitsjobs als Schankknecht und Koch und ähnlichem die Grundlagen seiner heutigen Tätigkeit gelegt wurden. Auch seine eher egoistisch-opportunistische Natur dürfte hier ihren Ursprung haben.

In dieser Zeit begab es sich hin und wieder, dass er bei seinen Spielen einfach mehr Glück hatte, als dies eigentlich der Fall hätte sein dürfen. Manchmal schlief sein Gegenüber mitten beim Würfeln mit dem geöffneten Beutel auf dem Tisch ein, manchmal wurde er von seinem Gegenüber nach ein bis zwei Bier für dessen besten Freund gehalten.
Ohne sich allzuviele Gedanken über diese Begebenheiten zu machen, führte Paulie sein Leben als Rumtreiber fort, bis er eines Tages in eine leicht windschiefe Taverne kam, die von einem alten Ehepaar geführt wurde.
Entgegen aller Erwartungen verlief dieser Abend so gar nicht nach Paulies Geschmack. Die dumm-dreiste Dorfbevölkerung erwies sich als widerstandsfähiger gegen seine kleinen Taschenspielertricks und Schenkenspielchen, als er es erwartet hätte. Obwohl ihm seine Intuition riet, es für diesen Abend gut sein zu lassen und sich irgendwo einen Heuhaufen zum pennen zu suchen, versuchte er noch ein letztes Spiel mit einem besonders bulligen Bauern, nichts ahnend, dass dieses eine Spiel sein Leben für immer verändern sollte. Nachdem Paulie den Bauern im Verlauf des Spiels auch das letzte Eckchen Kupfer aus der Tasche gezogen hatte, erwies dieser sich mehr und mehr als schlechter Verlierer und die anschließende Kneipenschlägerei endete mit der fast vollständigen Zerstörung der kleinen Schenke...zumindest soweit Paulie das noch beurteilen konnte.

Bei seinem Erwachen am frühen Mittag des folgenden Tages wurde ihm erst das volle Ausmaß der Folgen dieses Abends bewusst. Er erwachte mit mannigfaltigen Blessuren am ganzen Körper, Kopfschmerzen die den schlimmsten Kater harmlos erscheinen lassen und – was wohl das schlimmste gewesen sein dürfte – gefesselten Armen und Beinen. Nach einigen Minuten des Selbstmitleids und halbgar gesponnener Fluchtpläne, erschien ein rotes rundes Gesicht im Rahmen der Tür. Durch den Nebel seiner Benommenheit konnte Paulie den alten Wirt ausmachen, der ihn mit einer Mischung aus Mitleid und Ärger anblickte und als er Paulies Aufwachen gewahr wurde, dies mit einem zustimmenden Brummen quittiert, bevor er Paulie verhältnismäßig unsanft an einem Arm aus dem kleinen Geräteschuppen in die leuchtende Sonne schmeisst.

Im Folgenden konfrontierten die Wirtsleute Paulie mit dem Vorwurf für die vollständige Vernichtung ihrer Taverne verantwortlich zu sein und wollten von ihm wissen, wie er dies ungeschehen zu machen gedenke, da die paar Münzen, die sie seinen Taschen entnommen hätten, hierfür nicht ausreichend seien. Man einigte sich – naja die Wirtsleute beschlossen – im Endeffekt, dass sie Paulie zu ihrem Sohn schicken würden, der sich bei einer Truppe von Söldnern seinen Lebensunterhalt als Koch bestritt. Und um sicher zu stellen, dass Paulie auch dort ankommen würde, baten sie eben den bulligen Bauern, Paulie bei ihrem Sohn William Branwick abzuliefern.

Nachdem William Paulie die wichtigsten Grundlagen, seiner Profession des Kochens beigebracht hatte und ihm von den übrigen Mitgliedern der Keiler die wichtigsten Grundlagen des Kampfes beigebracht wurden, stellte sich mehr und mehr heraus, dass William in sich gegenüber Paulie weniger den Boss sah, der ihm jeden mühsam verdienten Kupfer sofort wieder aus der Tasche zu ziehen gedachte, als einen Freund, der dem jungen Herumtreiber die grundlegenden Prinzipien der Gemeinschaft der Keiler näher bringen wollte und diesen schon bald mehr als einen Freund denn als einen Angestellten betrachtete. In dieser Zeit ging auch in Paulie eine Veränderung vor und nach und nach schloss er immer mehr Freundschaften mit den Mitgliedern der Keiler und fühlte sich schließlich selbst als fast vollwertiges Mitglied der Truppe. Nachdem Paulie schon einige Zeit so mit den Keilern verbracht hatte, war schließlich der Moment gekommen, zu der Paulie William das erste Mal auf einen Einsatz unter Waffen begleiten sollte und so zogen sie mit den Keilern und einem großen Haufen Verbündeter und Freunde los. Wie allerdings so oft, wenn man auf irgendwelche Anschriebe reagiert, die irgendein vermummter Fremder in einer rauchigen Taverne angeschlagen hat, kam alles anders als gedacht. Der Einsatz wandelte sich innerhalb kürzester Zeit in eine erbitterte Schlacht gegen die Ratten und ihre nahezu übermächtige Königin und gipfelte schließlich darin, dass besagte Rattenkönigin William, dem Verbündeten Bertholt und dem Frischling Matthes in einer letzten Schlacht bei Nacht einen grausamen Tod brachte.

So schrecklich auch die Tode von Matthes und Bertholt gewesen waren, brachte letztlich nur der Tod von William Paulie das erste mal in seinem Leben dazu, über sich, seine Zukunft und sein bisheriges Leben nachzudenken.
Einige Tage lang zog sich Paulie fast vollständig zurück, um um seinen Freund zu trauern, sich über die neuen Umstände im vollen Umfang klar zu werden und sich geistig darauf einzustellen, dass sich wohl nun einer der anderen Keiler umso eifriger um seine Schulden bei Williams Eltern kümmern würde. Zu seiner größten Überraschung stellte sich jedoch heraus, dass William diese Begebenheit den anderen Keilern gegenüber vollständig verschwiegen hatte. Als William Paulie schließlich bei seiner eigenen Trauerfeier im Rahmen des kurze Zeit später stattfindenden Keiler-Mannövers als Geist erschien und ihm mitteilte, dass er ihm seine Schulden erlasse und ihn von jeglicher Mitschuld an seinem Tod freisprach, war Paulie endgültig davon überzeugt, nicht nur den Tod seines Freundes zu rächen, sondern mehr noch. Noch auf dem Mannöver stellte er bei Hauptmann Gerhard den Antrag, selbst ein Keiler werden zu wollen und bewarb sich als Frischling.

Heute, einige Jahre später, ist Paulie zum Chefkoch der Keiler aufgestiegen, bewirtet die Taverne zur Rotte am Sitz des Hauptmanns in Niederwern, hat die Oberhand über die diversen anderen Tavernen in den Ländereien der Keiler und versucht krampfhaft andere Tavernenwirte von seiner neuesten Idee eines Fremdscheiss-Konzepts (Franchise) zu überzeugen. Zusätzlich wurde er von Rebecca, der äußerst mächtigen Feuermagierin der Keiler letztlich über seine magische Begabung im vollen Umfang aufgeklärt und auch wenn Paulie nur den Bruchteil dessen verstanden hatte, was Rebecca ihm beizubringen versucht hatte, versucht er immer wieder, wenn er Zeit dazu findet, diese Fähigkeit zu beherrschen, auszubauen und seinem Willen zu unterwerfen, anstatt immer mal wieder wie durch Zufall Dinge zu bewirken, die für die meisten anderen Keiler schlichtweg unmöglich sind. Inzwischen hatte er es allerdings aufgegeben zu versuchen, die Dinge zu anzupacken, wie Rebecca das tat. Viele Bücher wälzen und hochtheoretitische Dingsbumse zu studieren war nun wirklich nicht sein Ding. Wann immer er kann, versucht er aus ihren und den Erzählungen anderer Magiebegabter Dinge zu abstrahieren, die er auf seine eigene Auffassung der Magie projezieren kann und mit ein bißchen Glück sogar anwenden kann und auch wenn die meisten seiner Zauber immer noch völlig von allein zu passieren scheinen, glaubt er so langsam einen Weg gefunden zu haben, bestimmte Dinge auch gezielt bewirken zu können und nach seinem Willen zu beeinflussen.

Die Art der Magie, die ihm zur Zeit am ehesten zu gelingen scheint, ist die, mittels der er Zauber in Gegenstände (zumeist etwas zu Essen) bindet.

Keiler-Kaffee ist fertig