Thorben Raureiter | Drucken | Impressum
Keiler Thorben Raureiter
Thorben Raureiter

Die Raue Mark ist das Land des eisigen Nordwindes. Dort wo man unter dem Nordlicht den Göttern ganz nah ist lebt ein besonderer Menschenschlag. Könige sind dort nicht mehr als Großbauern und Geschichten sind mehr wert als Gold. Denn auch wenn die Menschen dort trotzig wie die Felsen dem Eiswind die Stirn bieten, so sind sie umso gastfreundschaftlicher. Denn nichts ist ihnen mehr wert, als in langen Winternächten in den Methallen Sagen und Legenden zu lauschen und Rofa zu huldigen.
Dort gibt es einen Brauch. Der erste Sohn gehört dem Vater. Der zweite Sohn gehört der Mutter. Und der Dritte? Der gehört Rofa.

Ich bin der dritte Sohn meines Vaters und von meinem sechsten Lebensjahr an lebte ich im Kloster der Heiligen. Dort lernte ich, was ein braver Jünger Rofas können muss. Lesen, schreiben, beten. Zu heilen und Rofas Weissagungen zu deuten. Duldsam zu sein und Leidensfähig, um den Schwachen Trost und Mut zu spenden.
Allerdings war ich damals nicht der beste Schüler. Nur zähneknirschend hatte ich mein Los als Dritter angenommen. Denn Rofa ist zwar eine fürsorgliche Mutter, aber eine strenge Lehrerin. Wie groß war meine Freude als ich zum Novizen ernannt wurde und für mich die Zeit der Wanderschaft begann.

Doch alleine zu Reisen ist gefährlich und ich bin ein geselliger Mensch. Da kam es mir gerade recht den Keilern zu begegnen. Ein schlagkräftiger Haufen der noch dazu eine Reise nach der anderen tut! Ein Krieger rofagefälliger als der andere! So einem Haufen wollte ich mich sehr gerne anschließen. Also schwor ich dem Hauptmann die Treue und versprach meinen Brüdern und Schwestern beizustehen bis Rofa sie zu sich holt.
Acht Jahre bin ich nun schon auf Reisen und die Zeit meiner ersten Prüfung neigt sich dem Ende zu. Wegbegleiter sind zu Freunden geworden und der eine oder andere wird einen Wandel an mir bemerkt haben. Anfangs führte ich mehr das Schwert in der Hand, als Rofas Worte im Mund. Aber heute ist das anders. Denn ich habe Rofa gefunden, wo ich sie nie vermutet hätte. Im entschlossen Blick, wenn die Keiler gegen den Feind stehen. Und in ihrem schallenden Lachen, wenn wir huldigen. Und obwohl ich fern der Heimat bin, fühle ich mich Rofa heute näher als je zuvor.
Wie nah? Wenn Distanz Stille bedeutet, was glaubt ihr wie laut auf einmal ein Flüstern klingt!

Probleme sollten angepackt werden, statt über ihre Lösung zu grübeln