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“... aber lasst mich doch die Geschichte zuende erzählen wie sich Gerhard und seine Getreuen fanden und zu just jenem Bunde wurden, den ihr heute als „Die Keiler“ kennt“, sprach der alte Mann. Keiner wusste so genau wer er war, woher er kam oder warum er diese Geschichte erzählte. Dennoch fanden seine Worte in der vollen Schenke reichlich Gehör und selbst das letzte bischen Gemauschel verstummte als er ansetzte die Geschichte fortzuführen.

“Wie bereits erwähnt hatte der junge Gerhard frisch seinen Dienst in Friedland beendet. Wir wissen zwar genau welche Umstände dazu führten, aber dies ist eine andere Geschichte. Seine Getreuen – klein an Zahl aber groß an Mut und Durst – folgten ihm in Fremde Lande auf der Suche nach Ruhm, Ehre, Weib und Blut. Nicht jedem war hiervon alles gleich wichtig, aber die meisten könnten für alles etwas erübrigen. So gründeten sie Die Keiler – eine Truppe von Söldnern unter der Führung Gerhards.“ Der erzähler machte eine kurze Pause, trank einen Schluck Wein aus dem Kelch zu seiner Rechten und ließ seinen Blick einmal über die Anwesenden streifen ehe er weiter erzählte.

“Gerhard führte seine Mannen nach Trawonien. Man muss diesen Ort heutzutage nicht kennen, aber damals war es ein Ort blühender Kunst und herrlichen Handels. Vielleicht war dies nicht zuletzt der Grund, dass Gerhard – der von nun an Hauptmann Gerhard war – König werden wollte. Würde man ihn heute fragen „warum bist dus denn nicht geworden Gerhard?“ könnte man entweder ein heiteres Lachen und eine nette Geschichte oder ein gebrochenes Nasenbein ernten. Sollte es euch also interessieren zieht euch einen Helm auf und fragt ihn“ Als das kichern und Lachen der Anwesenden verklungen war setzte der Barde seine Geschichte fort.

“Also entschied er sich doch – wie ein Schuster bei den Leisten – beim Töten für Gold zu bleiben und führte seinen Trupp in den schwierigsten Lagen. Der ausgezeichnete Ruf des Hauptmanns – sowohl was seine Fähigkeiten als Heeresführer als auch was seinen nahezu verschwenderisch angenehmen Umgang mit Wein und Bier anging – reizten als bald weitere junge Recken, welche sich um ihn scharen wollten. Ich erinnere mich noch an einen besonders talentierten jungen Mann, wenn ich mich recht entsinne dient er nach wie vor in den Keilern, der seinen Weg zu Gerhard fand. Manchmal nimmt das Schicksal seltsame Wege und in seltenen Fällen auch über bemaltes Papier. So fiel dem jungen Recken aus Rugaaland ein Schreiben in die Hand, welches Hauptmann Gerhard zeigte und seinen Wunsch verdeutlichte König zu werden. Glücklicherweise hatte der Rugaaländer selbst noch einige Freunde, die ebenfalls zu schlecht in Brot und Lohn standen als das sie hätten etwas anderes machen können als dem Söldnerdasein zu frönen. Letztenendes fanden sie Gerhard und seine Truppe bei einem Feldzug gegen Rattenmenschen. Man mag sich nun fragen warum man gegen Ratten kämpft und versucht diese zu erlegen, aber da man ohnehin keine zufriedenstellende Antwort finden wird, überspringen wir diese und fahren mit der Geschichte fort.“

Wieder gab es eine kurze Unterbrechung durch Gelächter. Beschwichtigend hob der alte Mann die Arme und bat um Ruhe und Gehör.

“Der Rugaaländer und seine Freunde schlossen sich den Keilern an und führten sie somit zu stattlicher Große. Ich könnte nun die Geschichte eines jeden einzelnen Keilers erzählen und wie er Gerhard traf. Beispielsweise die des Koches, welcher auf der Reebener Frühjahrsturnei Gerhard und die Keiler traf und sich ihnen anschloss oder auch die eines Läufers, welchen sie am selben Ort trafen. Allerdings würde dies – wenn man bedenkt wie viele Keiler es am heutigen Tage gibt – mehr als einen Abend füllen. Daher soll die kurze Erwähnung hier genügen. Obwohl der Koch, welcher auf dem Anwesen des Hauptmanns in Niederwerrn die Taverne führte, einen Spießbraten macht der nicht zu beschreiben ist. Nie aß ich solch saftiges und doch knuspriges....oh...entschuldigt, ich schweife ab.“ Hastig griff er nach dem Kanten Brot, brach ein Stück und verschlang es.

“Es war eine sehr ereignisreiche Zeit für die Keiler und aus dem unbekannten Söldnertrupp entwickelte sich langsam ein Machtfaktor den selbst Könige nicht übersehen konnten. Der Neugewinn eines Landsitzes in Friedland war nur die zwingende Folge aus Arbeitskraft, taktischem Geschick und natürlich etwas Glück. Die Meisten Keiler haben dort auch ihren Wohnsitz. Warum dies genau so ist vermag abermals niemand zu sagen, aber vielleicht liegt es ja an der guten Luft....oder dem Whiskykeller Liams, der dort lange Jahre als Verwalter tätig war.

Als Mythodea entdeckt wurde witterten die Keiler ihre Chance. Zusammen mit anderen Söldnern – deren Namen besser in Vergessenheit geraten sollten – zogen sie los um sich ebenfalls ein Stück des Kuchens abzugreifen. Dieser Plan könnte nicht direkt in die Tat umgesetzt werden, aber seit dieser Tage sind die Keiler ein wichtiger Teil der Geschichte dieses Kontinents. Wenn ich mehr Wein hätte könnte ich von der Geschichte erzählen, als die Keiler den Feldzug gegen die schwarze Feste führten oder was es bedeutet wenn man sagt „setzt aufs Dach den Keilerspieß!“

 

Fragend sah der Erzähler in die Runde und als bald hatte er ein Stück braten und einen neuen Krug Wein vor sich.

“Solltet ihr die Keiler anwerben wollen...noch immer streiten sie für bare Münze!“

An dieser Stelle machte ich mich aus der Schenke und auf die Suche nach Gerhard, meinem alten Freund.

 

Hartwick zu Hohenaue