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16.03.2012 - 18.03.2012

Jahresauftakt

Weißer Nebel und die Kälte des Winters haben das Netz zu einem zerbrechlichen Gespinst werden lassen. Zwischen den Zweigen des Baumes bewegt es sich leicht im Wind. Eine tödliche Falle für jede Fliege, die sich zwischen den feinen Fäden verfängt und doch wird sie heute nichts nutzen, denn wenn die Falle erst erkannt ist wird sich die Beute nicht mehr so leicht erlegen lassen.

Lange hat der Wanderer es beobachtet und über die Bedeutung solch einfacher Zeichen nachgedacht und ob jemand dort unten sie zu deuten vermag. Der Nebel ist dicht, doch vermag er trotzdem zu sehen was dort

vorgeht.

Jeder von ihnen geht seinem Tagwerk nach. Öllampen werden für die Nacht gefüllt, der Novize bittet den Herrn der Schlachten um Erkenntnis, das Feuer studiert abermals Seite um Seite, der Ritter und der Metzger streiten sich um ein paar Münzen, der Wolf spaltet Holz für das Feuer und der Hauptmann denkt über vergangenes nach und das was noch kommen mag. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, dass alles seinen gewohnten Gang geht. Doch ihre Gedanken verraten die meisten von ihnen. Sie wandern immer wieder zu dem Buch, dem Rubin, der Spinne.

Ein zufriedenes Lächeln umspielt die Züge des Wanderers. Gerade als er sich zu gehen abwendet, erblickt er den gerüsteten Reiter, der nicht weit hinter ihm zum Dorf hinab blickt. Ein Mann von fast riesenhafter Statur,

auf einem gigantischen schwarzen Schlachtross, mit einer blutverklebten Streitaxt am Sattel. Nach einem ersten Schrecken nickt der Wanderer ihm freundlich zu und setzt unbeirrt seinen Weg fort, doch nach nur wenigen Schritten sieht er die Frau, die ebenfalls das Dorf beobachtet. Der Wind lässt ihren Mantel wehen und zerzaust ihr schwarzes Haar, doch steht sie stolz da und blickt ihn wissend an. Auch sie grüßt er und verschwindet dann im Nebel.

Der Schrei eines Vogels zieht die Aufmerksamkeit des Reiters und der Frau auf sich. Eine Weile sehen sie ihm zu, wie er seine Kreise am Himmel zieht, um dann herabzustoßen und sanft auf dem Arm einer Frau zu landen. Dann wenden sie sich ab, um ebenfalls eins mit dem Nebel zu werden.